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Solawi Halde
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David Jacobsen

Landwirt EFZ, Mit-Betriebsleiter Gut Rheinau

Auf dem Gut Rheinau bewirtschaften wir 125 ha Land. Davon sind etwa 85 ha Ackerland. Auf diesen Ackerflächen produzieren wir übers Jahr eine Gemüsevielfalt von knapp 100 Arten und ein Vielfaches an Sorten. Unsere Produktion wird durch grosse Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit gestärkt und macht uns dadurch unabhängig von Pestiziden und Kunstdünger.

Ackerbaulich produzieren wir vorwiegend Bio-Saatgut von verschiedenen Getreiden über Hirse, Buchweizen und Lein bis hin zu Hülsenfrüchten. Saatgut ist für die Ernährungssicherheit ein wichtiges Thema, kontrollieren doch ein paar internationale Multis fast den gesamten Markt. Aus den Samen ihrer Sorten können keine Samen nachgenommen werden, denn sie bestehen immer mehr aus nicht nachbaufähigen Hybridsorten. Ein enormes Risiko für unsere Ernährungssicherheit. Für uns ist es darum ein wichtiger Schritt, dass die Initiative «Für eine sichere Ernährung» die Förderung von natürlichem, samenfestem Saatgut verlangt. Dabei ist mir persönlich speziell meine Freiheit wichtig, da ich natürliches samenfestes Saat- und Pflanzgut selbst vermehren kann und so unabhängig von Saatgut- und Spritzmittelverkäufern und sonstigen «Beratern» bin. 

Mein Standort angepasstes Wissen, welches mich zur Fachperson Lebensmittelproduktion und Ökosystemdienstleistungen auf dem von mir bewirtschafteten Standort macht, gebe ich täglich weiter: als Mit-Betriebsleiter von Gut-Rheinau mit etwa 30 Vollzeit-Ganzjahresstellen, darunter 4 Auszubildenden, sowie als Teil der Schulleitung der biodynamischen Schule Schweiz. Durch dieses an den Standort angepasste Wissen unabhängiger Landwirtinnen und Landwirte entsteht  eine standortangepasste Lebensmittelproduktion und damit ein sehr resilientes Ernährungssystem, welches über das notwendige Wissen selbst verfügt, um die Menschen in der Schweiz zu ernähren. Dazu gehört auch eine ausgewogene Balance zwischen der Produktion von tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln. Genau diese will die Initiative zugunsten unserer Ernährungssicherheit herstellen und dies im Einklang mit Umwelt und Klimaschutz.

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Roman Wiget
Roman Wiget

Roman Wiget, Co-Präsident Trinkwasserverband AWBR

Ungenügender Schutz, Klimakrise und fehlende Planungen gefährden die Versorgung mit sauberem Trinkwasser – unserem Lebensmittel Nr. 1

Die NZZ hat am 13.04.2023 die Versorgungslage mit Trinkwasser und die Koordinations-
lücken zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden sehr treffend beschrieben:

«Wer Wasser aus einem Bach, Fluss, See oder aus dem Grundwasser entnehmen darf, entscheiden in der Schweiz die Kantone. Die Trinkwasserversorgung wiederum ist Aufgabe der Gemeinden. Solange das Wasser stetig sprudelt, funktioniert dieser föderalistische Flickenteppich gut. Wird es aber knapp, wie in den Hitzesommern 2003, 2015, 2018, 2019 und 2022, fehlen plötzlich die nötigen Entscheidungsgrundlagen (…). Weder die Kantone noch der Bund wissen, wer wie viel Wasser zu welchem Zweck verbraucht. Noch weniger ist bekannt darüber, wie viel Wasser in den bevorstehenden Wochen und Monaten zur Verfügung stehen wird. Beim Thema Trockenheit steuert die Schweiz im Blindflug.»

Dieser Blindflug ist gefährlich und fahrlässig. Für Strom und Verkehr gibt es seit Jahrzehnten gesamtschweizerische Strategien, Sach- und Richtpläne. Für Trinkwasser – unser wichtigstes Lebensmittel überhaupt – fehlen diese Instrumente. Dies wollen wir ändern; indem wir Trinkwasser in den Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit aufnehmen und die erforderlichen Trinkwasserressourcen gezielt sichern.

Fakt ist, dass die Mehrheit der Schweizer Kantone temporäre Trinkwasser-Versorgungsengpässe kennt und dass das Ausmass dieser Engpässe in den letzten Jahren massiv zugenommen hat [BAFU, 2014 und 2021]. Fakt ist auch, dass der Mehrheit der Schweizer Kantone weder die Wassernutzungen noch das Wasserdargebot auf ihrem Kantonsgebiet ausreichend bekannt sind. So kann die Trinkwasserversorgungssicherheit nicht garantiert werden.

Die Trinkwasserversorgung ist aber nicht nur durch klimabedingten Wassermangel und fehlende Planungen gefährdet. Noch schwerer wiegt der jahrzehntelang vernachlässigte Schutz des Grundwassers, unserer wichtigsten Trinkwasserressource: In den letzten Jahrzehnten mussten zahlreiche Trinkwasserfassungen aufgegeben werden wegen zu hohen Nitratwerten oder problematischen Pestizidrückständen.

Auch hierzu einige Fakten:

  • Im Mittelland liegen 80% der Nitratwerte über 10 mg/L. Im Ackerbaugebiet zeigt gar die Hälfte der Grundwasservorkommen Nitratwerte über dem Anforderungswert von 25 mg/L [BAFU, 2022].
  • Je höher der Nitratwert, desto höher das Darmkrebsrisiko. Ein erhöhtes Krebsrisiko besteht bereits bei Nitratwerten, die deutlich unter dem heute geltenden Anforderungswert liegen [Puls, 2018].

Kurz zusammengefasst: Ungenügender Ressourcenschutz, klimatische Veränderungen und fehlende Planungen gefährden die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Deshalb sieht die Initiative vor, sauberes Trinkwasser zum Bestandteil der Ernährungssicherheit zu machen und den Trinkwasserschutz zu stärken. Dazu braucht es:

  1. übergeordnete und koordinierte Planungen statt Blindflug und Flickenteppich
  2. gesicherte und geschützte Trinkwasserressourcen statt ungelöste Nutzungskonflikte, hohe Nitratwerte, Pestizidrückstände und teure Sanierungsmassnahmen

Wir tragen hier eine generationenübergreifende Verantwortung, denn es geht um unser Lebensmittel Nr. 1, unser Trinkwasser. Und es geht um Trinkwasserressourcen, auf die nicht nur wir, sondern auch kommende Generationen angewiesen sind.

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Daniel Hartmann

Dipl. Naturwissenschafter ETH, Geologe,
ehem. Chef Sektion Grundwasserschutz, Bundesamt für Umwelt BAFU Bern

Ungenügende Kenntnis unserer Grundwasservorkommen, mangelhafte Umsetzung der Massnahmen zu deren Schutz und die mancherorts fehlende regionale Planung gefährden unseren wichtigsten Trink- und Brauchwasservorrat, das Grundwasser.

80 Prozent unseres Trinkwassers werden aus Grundwasser gewonnen. Erfreulicherweise hat nun auch das Bundesamt für Umwelt BAFU dies erneut erkannt und Anfang Mai 2023 seine rund 10 Jahre zuvor aufgelöste “Sektion Grundwasserschutz“ wiederbelebt.

Trinkwasser ist unser Lebensmittel Nr. 1 und unverzichtbar für unsere Ernährungssicherheit. Die Initiative fordert daher, dass die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser genauso sicherzustellen ist wie die Versorgung mit Lebensmitteln. Konkret schafft sie die Voraussetzungen dafür, dass die Grundwasserressourcen sichergestellt werden, die für eine nachhaltige Trinkwassergewinnung unerlässlich sind. Und sie unterbindet konsequent die Überschreitung der in den Umweltzielen der Landwirtschaft festgelegten Höchstwerte für die Stickstoffverbindungen, die so schädlich sind für unser Grundwasser und Trinkwasser.

Für die meisten Menschen in der Schweiz ist es selbstverständlich, dass jederzeit und uneingeschränkt sauberes und gutes Trinkwasser aus dem Wasserhahn kommt. Allerdings verursacht die zunehmende Belastung des Grundwassers immer mehr Probleme und höhere Kosten, die fälschlicherweise nicht den Verursachern, sondern meist den Wasserversorgungen bzw. den Verbraucher überlassen werden.

Zunehmend extreme Wetterereignisse, Dürren und damit verbundene Ernteausfälle haben u.a. enorme Auswirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft. Immer mehr Bauern klagen über Wassermangel und Ernteausfälle im Sommer.

Leider ist es heute alles andere als selbstverständlich, sauberes Grundwasser ohne weitere Aufbereitung als Trinkwasser nutzen zu können. Vielmehr finden sich in vielen heute genutzten Wasservorkommen für Mensch und Umwelt schädliche Stoffe. Sie stammen überwiegend von in der Landwirtschaft – selbst in der Nähe von Trinkwasserfassungen – eingesetzten Düngern und Pestiziden. Um gesundes Trinkwasser zu haben, brauchen wir eine nachhaltige Landwirtschaft, die im Einklang ist mit sauberem Trinkwasser! So wie es unsere Initiative fordert.

Jedes Gesetz ist nur so gut wie seine Kontrolle und Durchsetzung. Um die unterirdischen Trinkwasserreserven ordnungsgemäss zu schützen und sie auch künftig uneingeschränkt nutzen zu können, müssen die zuständigen Behörden nutzbare Grundwasservorkommen detailliert erfassen und regelmässig überwachen. Die geltenden Vorschriften und Massnahmen betreffend wassergefährdende Tätigkeiten, Anlagen und Schadstoffe müssen kontrolliert und bei Verstössen wirksame Sanktionen verhängt werden.

Letztlich sind wir dafür verantwortlich, dass auch künftige Generationen uneingeschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Darum braucht es die Initiative «Für eine sichere Ernährung»!

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Franziska Herren

Präsidentin Verein Sauberes Wasser für alle

Wie wir gerade erleben, kann durch die Klimakrise auch im Wasserschloss Europas Trinkwasser und Wasser für die Lebensmittelproduktion sehr schnell knapp werden. Bis heute wurde aber die Land- und Ernährungswirtschaft nicht auf die Produktionsunsicherheiten vorbereitet, die der Klimawandel mit sich bringt. Auch ist die Lebensmittelversorgung der Schweizer Bevölkerung heute zu 50% vom Ausland abhängig. Und was ihre Wasserversorgung angeht, weiss die Schweiz nicht, wieviel Wasser sie verbraucht und wieviel sie zur Verfügung hat. Die heutige Landwirtschaftspolitik bewirkt also das Gegenteil von Ernährungssicherheit, die 2017 in der Verfassung verankert wurde.

Dass die Schweiz ihre Lebensmittel zur Hälfte importieren muss, ist eine direkte Folge davon, dass die Produktion und der Konsum von tierischen Lebensmitteln gegenüber pflanzlichen Lebensmitteln massiv mehr mit Subventionen gefördert wird: mit 2,3 Milliarden gegenüber 0,5 Milliarden Franken.

Für die Fleisch- und Milchproduktion eignen sich die Wiesen und Weiden der Schweiz. Hingegen steht der heutige Futtermittelanbau wie Mais und Getreide auf 60% der inländischen Ackerflächen in direkter Konkurrenz zur menschlichen Ernährung. Denn mit dem vermehrten Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln für die Bevölkerung wie z.B. Hülsenfrüchte oder Getreide könnten pro Hektare Ackerland viel mehr Kalorien produziert werden und das auch mit viel weniger Wasserverbrauch. So kann mit mehr pflanzlichen Lebensmitteln der Netto-Selbstversorgungsgrad von heute 50% auf mindestens 70 % erhöht werden. Genau das fordern wir mit unserer Initiative.

Die Initiative reagiert damit auch auf das Umdenken in der Bevölkerung, das leider in der Landwirtschaftspolitik bis heute nicht stattgefunden hat: Bereits mehr als 60% der Schweizer Bevölkerung ernähren sich flexitarisch und essen der Umwelt und dem Tierschutz zuliebe bewusst weniger tierische Lebensmittel. Dies bietet den Landwirtinnen und Landwirten neue Perspektiven und die Chance, auf dem umwelt- und klimabewussten Wachstumsmarkt für pflanzliche Lebensmittel Fuss zu fassen.

Zusätzlich angeheizt wird die Produktion von tierischen Lebensmitteln durch den Import von Futtermitteln – mit schwerwiegenden Folgen für unsere Umwelt. Von den 16 Millionen Nutztieren, die heute in der Schweiz gehalten werden, wird die Hälfte mit Importfutter ernährt. Zu viel Gülle und Stickstoff überdüngen deshalb Böden, Wälder und Gewässer, belasten unser Trinkwasser mit Nitrat, zerstören die Biodiversität und die Bodenfruchtbarkeit und verstärken die Klimakrise. Die Höchstwerte für Dünger und Stickstoff, die bereits seit 2008 zum Schutz der Umwelt und somit für unsere Ernährungssicherheit in den Umweltzielen der Landwirtschaft verankert sind, werden damit massiv überschritten – beim giftigen stickstoffhaltigen Gas Ammoniak um 70%.

Wie die Praxis und die Wissenschaft zeigen, brauchen wir für unsere Ernährungssicherheit, für den Umweltschutz und die Bewältigung der Klimakrise sowie für sauberes Trinkwasser eine nachhaltige Lebensmittelproduktion, die für mehr Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit sorgt. Diese führt zu höheren Erträgen in der Landwirtschaft und kann zudem Pestizide und Kunstdünger ersetzen.

Für eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser fordert die Initiative

 – einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70%, dafür sollen die Produktion und der Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln gefördert werden;

 – genügend sauberes Trinkwasser und dass die Grundwasserressourcen für die nachhaltige Trinkwassergewinnung dafür sichergestellt werden;

– dass natürliches samenfestes Saat- und Pflanzgut, die Biodiversität und die Bodenfruchtbarkeit als Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft gesichert werden;

– dass die Höchstwerte für Dünger und Stickstoff nicht mehr überschritten werden;

– dass Subventionen sowie die Förderung von Forschung, Beratung und Ausbildung den Zielen der Initiative nicht widersprechen dürfen.

Bei den nötigen Anpassungen der landwirtschaftlichen Produktion werden die Landwirtinnen und Landwirte zusätzlich vom Bund finanziell unterstützt.

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Gertrud Häseli

Biobäuerin, Grossrätin www.gertrudhaeseli.ch

Verlassen wir in der Land- Ernährungswirtschaft das bekannte Unglück der einseitigen Tierproduktion und wenden wir uns dem Glück der wertvollen Pflanzen zu, die direkt unserer Ernährung dienen.

Wildbienen bestäuben Obstbäume und andere Nutzpflanzen. Schlupfwespen und Raubkäfer fressen Schädlinge. Dazu kommen viele weitere Tierarten, die zum Nutzen der Menschen aktiv sind. Die positiven Effekte fallen umso grösser aus, je höher die Artenvielfalt und je kleinstrukturierter die Agrarlandschaft gestaltet ist. Wo dagegen riesige, monoton bepflanzte Flächen vorherrschen, sind Vielfalt und Menge der nützlichen Lebewesen deutlich verringert. Und das wirkt sich am Ende auch negativ auf die landwirtschaftlichen Erträge aus.

Studien belegen eindrücklich, dass die Landwirtschaft durch die Gratis-Dienstleistungen der Biodiversität bessere Erträge erzielen und gleichzeitig den Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden ersetzen können. Eine solche nachhaltige Landwirtschaft, die die Biodiversität und die Bodenfruchtbarkeit fördert, ist das Ziel der Initiative für eine sichere Ernährung.

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass Schädlinge insbesondere bei Kirschen und Zwetschgen auf natürlich strukturierten Parzellen viel weniger häufig vorkommen. Siebenschläfer, Totholz, natürlicher Bachlauf, alles trägt zu einem wertvollen Umfeld bei.

Diese Elemente allein vermögen aber den Biodiversitätsverlust noch nicht zu stoppen. Es bedarf also dringend verstärkter Anstrengungen. Dazu gehören im speziellen neue Ackerkulturen die direkt der menschlichen Ernährung dienen, wie es die Initiative für eine sichere Ernährung vorsieht. Insbesondere Hülsenfrüche sind der Motor einer Bio-Fruchtfolge. Dank Ihrer Eigenschaft gratis Luftstickstoff zu binden, mit gleichzeitig einer tendenziell tiefen Bewurzelung helfen sie die Böden fruchtbar zu halten. Gleichzeitig sind sie wichtige Zutaten einer vermehrt pflanzlichen Ernährungsweise.

Mit dieser Initiative verlassen wir in der Land- Ernährungswirtschaft das bekannte Unglück der einseitigen Tierproduktion und wenden wir uns dem Glück der wertvollen Pflanzen zu, die direkt unserer Ernährung dienen.

Domleschg
Adrian Hirt

Gründer und Inhaber von Alpahirt

Auf dem grössten Teil der Schweizer Ackerflächen wird Tierfutter anstatt menschlicher Nahrung angebaut. Feed no Food also «Füttere keine Nahrungsmittel» ist für die Schweizer Ernährungssicherheit wichtig. Genau dieses Thema wird mit der Initiative «Für eine sichere Ernährung» angegangen.

Die Schweiz ist ein Milchland, die Kuh ist unser Nationaltier. Sie frisst, wie auch Wildtiere und andere Wiederkäuer, Gras, das wir Menschen nicht verdauen können und stellt somit keine Nahrungskonkurrenz dar. Weil rund 70 Prozent unserer landwirtschaftlich genutzten Fläche aus Gras- und Weideland besteht, sind Wiederkäuer ein ganz entscheidender Bestandteil einer nachhaltigen Landwirtschaft. Sie machen unsere Umwelt als auch die Bevölkerung resilienter, dies insbesondere in Berggebieten, wo Ackerbau aufgrund klimatischer Bedingungen nicht möglich ist.

Auf Ackerfläche zuerst Tierfutter anzubauen ist hingegen nicht nachhaltig, nicht zukunftsfähig und schon gar nicht enkeltauglich. Werden dort vermehrt pflanzliche Lebensmittel für Menschen angebaut, können wir wesentlich mehr Kalorien erzeugen. So steigt der Selbstversorgungsgrad. Gleichzeitig fallen dabei noch immer sehr viele nutzbare Nebenprodukte an, die sich zur Fütterung von Huhn, Schwein und co. eignen. Eine solche Kreislaufwirtschaft (Wirtschaftssystem, das Abfall vermeidet und Ressourcen wiederverwertet) ohne Nahrungs-konkurrenz führt zu einem tieferen Nutztierbestand zugunsten eines geringeren ökologischen Fussabdrucks. Die Lebensmittel, die dabei entstehen werden im Einklang mit der Natur produziert und sind von deutlich besserer Qualität.

Feed no Food (keine Nahrungskonkurrenz) heisst also nicht «kein Fleisch», sondern lediglich weniger, insbesondere weniger Geflügel- und Schweinefleisch, das in hohen Massen mit unserer Nahrung konkurriert. Zudem kommt Fleisch aus natürlicher Haltung mit massiv weniger Antibiotika aus. Und genau da setze ich mich mit meinem graslandbasierten Naturfleisch seit bald 10 Jahren ein.

Die «Initiative für eine sichere Ernährung» ist sehr wichtig, insbesondere weil sie der Bevölkerung aufzeigt, dass wir auf unseren Ackerflächen besser pflanzliche Lebensmittel, die in erster Linie der direkten menschlichen Ernährung dienen, anstatt Kraftfutter für die Nutztierhaltung anbauen. Mit der Kultivierung von Futtermitteln werden Kalorien vernichtet und die Biodiversität zerstört. Ackerfläche zuerst für Menschen, Grasland für Tiere! Eine moderne Kreislaufwirtschaft ohne Nahrungskonkurrenz dient der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt und unserer Ernährungssicherheit in einem.

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Klima-Grosseltern

Darum unterstützen die Klima-Grosseltern die Initiative «Für eine sichere Ernährung»

Die Klima- und Biodiversitätskrise werden als globale Phänomene entscheidend durch die weltweite Entgleisung des Ernährungs- und damit des Landwirtschaftssektors verschärft. Dabei spielt die Tierhaltung eine zentrale Rolle: Sie verursacht unverhältnismässig hohe Treibhausgasemissionen, bindet 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen (wozu stetig steigende Waldrodungen nötig sind), gefährdet Wasser- und Bodenqualität und ist stark beteiligt am rasanten Biodiversitätsverlust. Mit der Ausrichtung auf tierische Nahrungsmittel generiert der Nahrungsmittelsektor zudem weltweit Hunger, Mangel- und Fehlernährung mit Übergewicht und zahlreichen sogenannten «Zivilisationskrankheiten» (Herz/Kreislauf, Stoffwechsel, Skelett, Krebs).

Auch in der Schweiz ist die Ausrichtung der Land- und Ernährungswirtschaft auf die Produktion tierischer Lebensmittel extrem ausgeprägt. Wegen dieser durch Subventionen verstärkten Fehlsteuerung gefährdet die Schweiz die Qualität ihrer Böden und ihres Trinkwassers und ist in hohem Mass von Lebensmittelimporten abhängig. Zugleich torpediert sie ihre eigenen Bemühungen um Klimaschutz, Biodiversität und die Gesundheit ihrer Bevölkerung. Daher unterstützen die Klima-Grosseltern die Initiative «Für eine sichere Ernährung» als wichtigen Schritt vorwärts in eine lebensbejahende Zukunft, den wir gemeinsam, Jung und Alt, Bauern und Konsumentinnen gehen wollen.

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Martin Ott

Landwirt, Experte und Ausbildner Bio- und Demeter-Landbau

Das Verhältnis einer Gesellschaft zu ihren natürlichen Lebensgrundlagen bildet sich ab in der Art und Weise wie sie ihre Ernährung organisiert und entwickelt.

Artenschwund, Biodiversitätsverlust, falsche Ernährung, Klimawandel, Gesundheitskosten, Ernährungssicherheit und Landwirtschaftspolitik haben miteinander zu tun und sind miteinander verknüpft.

Transformation gelingt, wenn die Initiative «Für eine sichere Ernährung» innere gegenseitige Abhängigkeit von übergeordneten Herausforderungen akzeptiert wird.

Durchschnittlich 20% des Einkommens fliessen den landwirtschaftlichen Betrieben der Schweiz, aus staatlichen Quellen direkt zu. Zusätzlich fliessen weitere Mittel in das Landwirtschaftliche Bildungs- Forschungssystem und in die ganze Wertschöpfungskette, vom Acker bis zur Gabel. Viele dieser Subventionen und Förderungen stehen einer dringend notwendigen Transformation des Ernährungssystems entgegen und zementieren so Fehlentwicklungen. Diese falschen Anreize, richten sich schlussendlich aber gegen die Landwirtschaft und ihrer natürlichen Grundlage selbst. Mit unserer Initiative «Für eine sichere Ernährung» wollen wir dazu beitragen, diese Widersprüche zu lösen und die Blockade in der Landwirtschaftspolitik zu beenden.

Landwirtschaft hat kein Recht an sich, Kosten und Schäden verursachende Praktiken und Investitionen staatlich gefördert zu bekommen. Sie hat aber das Recht, für ihre eigene unternehmerische Gestaltung klare Leitplanken zu erhalten, um dort vielfältig, privatwirtschaftlich, innovativ zu sein.

Die Initiative führt zu diesen klaren Leitplanken, in dem der Bund als Träger der landwirtschaftlichen Förderungspolitik sämtliche der Transformation entgegenstehenden Förderungen ersetzt und entsprechend umlenkt. So wird die Souveränität der Ernährung zur Souveränität der Landwirtschaft. Sie tritt aus ihrer inneren Abhängigkeit als Spielball der Interessen und Ansprüche zu einem zukünftigen selbstbewussten Pfeiler des Zusammenlebens von Mensch und Mitwelt.

Florianne Waldganz
Florianne Koechlin

Biologin, Buchautorin

Das grösste Problem der Klimaerwärmung sind nicht die steigenden Temperaturen, sondern die Unberechenbarkeit und Häufung der Extreme: Dürreperioden, Überschwemmungen, Hitzeperioden, Kälteeinbrüche, vernässte Böden, Tornados etc

Das sind gewaltige Herausforderungen für die Landwirtschaft. Da liefert die Initiative «Für eine sichere Ernährung» einen wichtigen Beitrag, denn die Lösungen liegen auf der Hand: weniger Fleischkonsum und mehr Biodiversität, unter und über dem Boden. Also zum Beispiel Mischkulturen.

Mischkulturen, das zeigen inzwischen viele Studien, sind enorm anpassungsfähig und resistent gegenüber Wetterkapriolen und Schädlingen.  Sie ergeben zudem mehr Ertrag und sparen Wasser, Dünger und Pestizide.

Zwei Beispiele: Am FiBL untersucht ein Team um Monika Messmer eine Mischkultur aus Erbsen und Gersten Im nassen Sommer 2021 gedieh die Erbse besser als die Gerste, im trockenen Sommer 2022 gedieh die Gerste viel besser als die Erbse. Dazu kommt:  Auf dem sandigen Versuchsacker nahe von Baden gedieh die Erbse besser als Gerste; auf dem schweren Boden nahe von Uster gedieh die Gerste besser als die als Erbse. Diese Mischkultur ist also wie eine Versicherung für die Bauernfamilie: sie ergibt immer Ertrag. Und nach der Ernte können Erbsen und Gerste mit einem Sieb gut getrennt werden; Erbsen sind viel grösser als Gerstenkörner.

In Toulouse am ENSFEA experimentiert ein Team um Laurent Bedoussac von der ENSFEA (Ecole Nationale Supérieure de Formation de l’Enseignement Agricole) mit Linsen- und Weizen- Mischkulturen. Die Linsen sind dünne kleine Pflanzen, sie sind schwer zu dreschen, weil sie so nahe am Boden liegen. Wenn da Weizen, also eine Stützfrucht, mitwächst, stehen die Linsen aufrecht und können viel leichter gedroschen werden. Das Team konnte dank dieser Mischkultur doppelt so viele Linsen ernten, und der Weizen, den sie von den Linsen getrennt hatten, wies einen hohen Proteingehalt auf.

Mischkulturen funktionieren auch in grossem Massstab. In China beliebt ist die ‚Streifenlandwirtschaft‘. Dai werden verschiedene Kulturen in schmalen langen Streifen, eine neben der anderen, angepflanzt, zum Beispiel Mais, Soja und Weizen oder Erdnüsse mit Mais. Sie werden maschinell bewirtschaftet. Eine grosse globale Übersichtsstudie über Mischkulturen kam zum Schluss: Mischkulturen führen bei grossen und bei kleinen Betrieben, im Süden und im Norden, bei agrarökologischen und bei industriellen Monokultur-Landwirtschaften zu substantiellen Ertragsgewinnen, bei gleichzeitiger Einsparung von Dünger und Pestiziden. Im globalen Durchschnitt ergeben Mischkulturen fast dreissig Prozent (15-30%) mehr Ertrag auf gleicher Fläche als Monokulturen. Oder umgekehrt: Für den gleichen Ertrag braucht es fast dreissig Prozent weniger Land. Was wir also für unsere Lebensmittelsicherheit benötigen sind Biodiversität, Mischkulturen und gesunde Böden. Da kann auch der Biolandbau noch dazu lernen. Monokulturen hingegen sind eine riesige Land- und Ressourcenverschwendung.

thomas lüthi
Thomas Lüthi

Kantonsrat Solothurn GLP

„Mehr Biodiversität, mehr Klimaschutz und ein höherer Selbstversorgungsgrad durch eine Ernährungspolitik, die die pflanzliche Ernährung und die heimische Produktion und so auch die Bäuerinnen und Bauern stärkt!

Die Biodiversitätskrise und der vom Menschen verursachte Klimawandel sind eng miteinander verknüpft und können nur gemeinsam bewältigt werden. Geringere Stickstoffeinträge und weniger Futtermittelimporte helfen unseren Böden, Gewässern und unserer Atemluft. Gesunde Böden mit hoher Biodiversität sichern langfristig die Bodenfruchtbarkeit und speichern viel CO2.“

Angela Zellweger
Angela Zellweger

Unternehmerin

Ich bin Mutter einer knapp einjährigen Tochter und sorge mich um ihre Welt und ihre Schweiz. Sie soll es besser haben. Sie soll aufwachsen in einer Schweiz des sauberen Trinkwassers, der sauberen Wirtschaft und in einer nachhaltigen Gesellschaft, die das Wohl von Mensch und Tier höher als den Profit einstuft.

Billo Heinzpeter Studer
Billo Heinzpeter Studer

Autor, Gründer und Ex-Präsident fair-fish (1997-2023)
Ex-Geschäftsleiter KAGfreiland (1995-2001)

linkedin.com/in/billo-heinzpeter-studer

Seit über vierzig Jahren konfrontiere ich mich beruflich vor allem mit dem Wohl und Leid von Tieren über und unter Wasser, die zu unserer Ernährung gehalten oder gefangen werden. Das Leid ist enorm, für die Tiere, für die Umwelt und meist auch für die Menschen, die für den Umgang mit den Tieren direkt verantwortlich sind. Das Leid und die Umweltschäden sind deswegen derart gross, weil in der Schweiz und weltweit viel zu viele Tiere gehalten werden.

Es ist schon seit Jahrzehnten klar, dass diese Rechnung nicht aufgehen kann. Billige Massenproduktion geht immer auf Kosten jener, die sich am wenigsten wehren können. Die Schreie der eingesperrten Tiere hören wir so gut wie nie, von den Sorgen der Bauern wissen wir kaum etwas, die Verschmutzung der mit Gülle und Mist überdüngten Böden und Gewässer riechen wir höchstens ausnahmsweise. Doch irgendwann wird die Rechnung uns selber präsentiert werden. Dann dürften die Schäden allerdings so gross sein, dass sie kaum mehr zu reparieren sind.

Die logische Konsequenz hieraus kann nur heissen: Weniger tierische Lebensmittelproduktion, mehr pflanzliche Landwirtschaft betreiben. Wir können das durch unseren Einkauf unterstützen, wenn wir uns vorwiegend pflanzlich ernähren. Damit die Veränderung rasch genug voran geht, braucht es aber vor allem einen Systemwechsel in der Landwirtschaftspolitik: Der Staat sollte mit unseren Steuern nicht mehr die tierische, sondern die pflanzliche Produktion fördern. Genau darum begrüsse ich diese Volksinitiative.

Renato Pichler
Renato Pichler

Präsident Swissveg

Seit rund 30 Jahren setze ich mich dafür ein, dass die vielfältigen Vorteile einer vermehrt pflanzlichen Ernährung auf die Umwelt, die menschliche Gesundheit und die Tiere bekannter werden.

In der Wirtschaft sehen wir seit Jahren eine starke Veränderung hin zu mehr pflanzlichen Produkten. Die meisten veganen Produkte werden heute deutlich mit meinem V-Label gekennzeichnet, da man stolz ist umweltfreundliche, nachhaltige Produkte im Sortiment zu haben. Nur in der Politik ist keine Veränderung in Sicht: Die Landwirtschaftssubventionen gehen weiterhin hauptsächlich zu den Fleisch-, Milch- und Eierproduzenten. Und selbst die Fleischwerbung wird jährlich mit mehreren Millionen Franken subventioniert, obwohl der Bund weiss, dass derzeit 3x mehr Fleisch konsumiert wird als er aus gesundheitlichen Gründen als Maximum empfiehlt. Und auch bei allen Klimaschutzinitiativen des Bundes wird die Ernährung ausgeklammert, obwohl es unbestritten ist, dass die Ernährung mit tierischen Produkten auch in diesem Bereich ein wesentliches Problem darstellt.

Deshalb ist diese Initiative so wichtig: Die vielfältigen negativen Auswirkungen unserer heutigen Ernährung, die hauptsächlich auf tierischen Produkten basiert, muss bei den politischen Entscheiden künftig berücksichtigt werden. Der Wandel wird auf jeden Fall kommen. Die Frage ist nur, ob er mit der Initiative sozialverträglich vom Bund gefördert und kontrolliert umgesetzt wird, oder zwangsweise durch Umweltveränderungen, Bevölkerungswachstum oder andere Krisen.